Landhotel Hirsch, Geschichte und Tradition

Im Jahr 1823 wurde aus der Klostersiedlung Bebenhausen eine bürgerliche Gemeinde wie viele andere. 200 Einwohner lebten innerhalb der Mauern des Orts.

Der 1777 in Altdorf geborene Reichlin war seit 1813 Hirschwirt. Sein Vorgänger, Johann Jakob Ziegler, hatte das "Gästebauwerk" 1790 umbauen lassen. Es lag am äußersten Rand Bebenhausens, gerade noch innerhalb der Ende des Mittelalters aufgerichteten letzten Erweiterung der Mauer. Das Gebäude diente als Torhaus am Weg nach Lustnau, gleichzeitig vermutlich als Übernachtungsmöglichkeit für Klostergäste aus den unteren Ständen. Wer von Tübingen kam und auf der alten Römerstraße weiter durch den Schönbuch reiste, musste am Hirsch vorbei.

Eine gute Lage und das verbriefte Recht, regelmäßig Gäste bewirten zu dürfen - eigentlich ideale Bedingungen für eine Wirtschaft. Dennoch wurde das ganze 19. Jahrhundert hindurch kein Küchenmeister so recht glücklich. Mindestens sieben Wirte und Besitzer gaben sich bis 1897 im Hirsch den Kochlöffel in die Hand.
Der Lustnauer Bierbrauer Louis Heinrich, der die Wirtschaft 1897 kaufte, war der letzte in der langen Reihe der ununterbrochen wechselnden Besitzer des Hirschen. Denn gleich zu Anfang des neuen Jahrhunderts kam das Haus in die Hände der Familie, der es noch heute gehört.

Vielleicht war es eine einfache Urlaubspostkarte, die das neue Kapitel in der Geschichte des Hirschen einleitete. Am 15. April 1899 wurde sie abgeschickt: »Wir sind gut angekommen, essen im Hirsch zum Mittag, wo schon wieder ein frischer Wirt ist, das Essen ist gut. Wie geht es Euch, Ihr Lieben?« Eine dieser "Lieben", an die diese Postkarte adressiert war, hieß Lisette Feyerabend. Und die kannte den Hirsch schon länger. Ihr Mann, Johannes Feyerabend, war der Kutscher des königlich-württembergischen Objägermeisters Freiherr von Plato. Im Jahr 1901 quittierte er seinen Dienst, um Bebenhäuser Hirschwirt zu werden.

Bald ein halbes Jahrhundert würde es bis zur Übergabe der Wirtschaft an die nächste Generation dauern. Dazwischen lagen zwei Weltkriege, das Ende von Kaiser- und Königreich, Faschismus. Das bedeutete auch für den Hirsch Unterbrechungen in seiner Entwicklung, Notzeiten.

Die Zwanziger Jahre waren auch für den Hirsch die Goldenen. Die Fremdenzimmer im gegenüberliegenden Posthäusle waren ständig belegt, im Gasthaus hätten, insbesondere an den Wochenenden, noch viel mehr Gäste bewirtet werden können. Dem Hirsch wird seine Haut zu eng: 1928 werden Umbaupläne in Auftrag gegeben. Auf dem Papier entsteht ein riesiger Gebäudekomplex im historisierenden Landhausstil dieser Jahre.

Im Zweiten Weltkrieg stellen die noch allzu bekannten Versorgungsprobleme die Wirtsleute vor neue Herausforderungen. Immerhin können sie sich inzwischen auf die Unterstützung ihrer Kinder verlassen. Hans Feyerabend, der Sohn, kann nur am Wochenende mithelfen. Werktags leitet er die Derendinger Ölfabrik seines Schwiegervaters. Auch Else Fleck war inzwischen verheiratet, mit einem Mann vom Fach: Erich Fleck, der bis 1978 den Hirsch leitet.

Feyerabend - Fleck - Fischer

Ende der Siebziger Jahre übernimmt die dritte Generation den Hirsch. Für Flecks war von Anfang an klar, dass ihre Tochter Brigitte eines Tages die Chefin im Haus sein würde.

Es wurde deutlich, dass der Hirsch an die Grenzen seiner Kapazität stieß. Auch hatten sich die Ansprüche der Gäste gewandelt. Sie empfanden die Übernachtungszimmer als zu klein, zu schlicht. Die Küche war ebenfalls zu eng geworden, um den gewachsenen Anforderungen zu genügen. Das wußte Brigitte, das wußte auch ihr Mann, Ernst Fischer. Auch er kommt aus einer Wirtsfamilie, seine Eltern Ernst und Roswitha Fischer hatten elf Jahre lang das Wandererheim auf dem Roßberg geleitet, bevor sie den Tübinger Landgasthof Rosenau übernahmen. Ernst Fischer junior brachte internationale Erfahrungen mit: Lehre in Stuttgart, Küchenchef des zweitreichsten Manns von England, Koch im Stockholmer Operkeller und im "Georges V." in Paris - das waren nur einige Stationen des heutigen Küchen- und Serviermeisters.

Es war nur eine Frage der Zeit bis wieder einmal die Handwerker in den Hirsch einzogen und mit der Modernisierung des ganzen Gebäudes begannen.

Entstanden ist eine Gaststätte mit Niveau, ein modernes Landhotel, in dem aber die Tradition überall zu bemerken ist.

Und Brigitte Fischers oberste Maxime heißt:

»Der Gast soll sich daheim fühlen.«




Landhotel Hirsch
anno dazumal


Familie Feyerabend


Else & Erich Fleck


Brigitte Fischer, geb. Fleck


Brigitte & Ernst Fischer 1987


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